Das Ende einer Reise und ein Neuanfang

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Mit dem Geld, welches ich nach meinem Aufenthalt in Griechenland noch hatte, käme ich auf sehr sparsamen Wege vielleicht noch quer durch die Türkei. Trotzem: Für mich ist mein Entschluss, meine Reise hier in Lovech zu beenden, eine runde Sache.

Hätte mich jemand vor meiner Reise gefragt, ob ich mir meine Reise so vorgestellt hatte, wie sie verlief, würde ich sagen: „Nö.“

Und hätte mich jemand gefragt, ob ich mir überhaupt etwas konkretes vorgestellt hatte, würde ich sagen: „Nö.“

Und würde mich nun jemand fragen würde, ob ich etwas bereue, würde ich sagen: „Eher nö.“

Aber wenn mich jemand fragt, ob ich nochmal so eine Reise machen möchte, sage ich absolut: „Ne du, lass mal gut sein!“

Meine Reise hat gezeigt, dass man ohne „viel Geld“ und Vorbereitung eine unglaublich schöne Zeit haben kann. Man hat die Möglichkeit, tolle Orte zu entdecken und einige Abenteuer zu erleben, die man mit teuren, durchgeplanten Abenteuerurlauben eben nicht erleben wird und kann. Abenteuer, die das pure Leben schreibt und die einem zeigen, zu was man wirklich in der Lage ist: Hunger und Durst aushalten, stundenlanges Warten an lauten Strassen, die Übernahme der Verantwortung für ein Lebewesen, Kletterpartien und richtiges Kartenlesen an wichtigen Stellen, Wandern mit viel zu viel Gepäck und zahllose Problemlösungen. Einiges davon wäre durch gute Planung leicht verhinderbar gewesen, doch besonders auf Reisen wie diese gibt es keine perfekte, vielleicht nicht einmal eine wirklich gute Planung, denn da gibt es einen Bereich, den man nicht einplanen kann, und genau dieser Bereich ist der, der so eine Reise erst besonders macht: Die Menschen, die man trifft.

Ich hatte oft über mein Ziel nachgedacht, die Kulturen der Länder kennenzulernen. Eben nicht so viel Länder wie möglich zu bereisen! Qualität statt Quantität. Das hat am Ende nicht ganz so gut geklappt. Ich habe mich treiben lassen und bin den Zufallsbegegnungen gefolgt. In Milano habe ich zufällig Kum Kum kennengelernt, dem ich mich für eine Woche bis nach Kroatien anschloss. Mein Frage, ob ich nach Süden oder nach Osten reisen sollte, war damit beantwortet. Dann, beim Trampen, fuhr jemand nach Budapest, die Stadt, die ich eigentlich vermeiden wollte. Am Ende blieb ich drei Wochen und hatte eine super Zeit mit brasilianischen Studenten. Und wieviele Last Minute-Anfragen hatte ich bei Couchsurfing geschrieben, nur weil ich wieder in einer Stadt strandete die ich zuvor nicht eingeplant hatte?!

Nun ist mein kultureller und historischer Durst immernoch nicht hundertprozentig gelöscht, doch all das ist egal, wenn man all die neuen Kontakte anschaut, die ich knüpfen konnte. Und für all die Hilfsbereitschaft, Gastfreundschaft, Hilfe, Geschenke (von Schokoriegel bis Zugticket) und die Einsicht, dass da draussen viele Drecksäcke, aber eben auch unglaublich viele tolle Menschen sind, bedanke ich mich zutiefst!

Ich möchte mich auch herzlich bei den vier, fünf Personen bedanken, die hier im Blog regelmäßig vorbeischauen!

(Album sortiert nach Datum, leider habe ich nicht Fotos von all meinen Begegnungen, wie z.B. der Straßenverkäuferin und ihren Sohn, oder auch meinen ersten Couchhost in Kempten:)

Jetzt habe ich hier und da angedeutet, dass da eben doch etwas ist, was ich bereue: Meine Unterschätzung des Gewichts. Mein Rucksack war mit seinen rund 21 Kilogramm bei Weitem zu schwer. Selbst in Griechenland war ich mit 15 Kilogramm zwar viel besser dran, aber so richtig toll war es immernoch nicht. Rucksack, Zelt, Schlafsack, Isomatte und Laptop, Kamera plus Zubehör waren leider schon zehn Kilogramm, weshalb mir da wenig Spielraum blieb. Aber nicht jeder hat einen drei Kilo-Laptop und eine semiprofessionelle Kameraausrüstung, also kann ich mich nur den Profibloggern mit ihren Packlisten anschliessen: Vergesst die kleinen „Problemlöser“ die man im Fall der Fälle mal gebrauchen könnte und konzentriert euch auf das Wesentliche – und bloss nicht zuviel Kleidung! Im Internet gibt es unendlich dieser „perfekten“ Listen, deshalb verzichte ich zumindest solange auf eine eigene, bis jemand fragt.

Ach, und ich hatte keinen MP3-Player bei mir (abgesehen von Griechenland), da ich dachte, es wäre eine lehrreiche Erfahrung, sich rein auf die Geräusche der Natur und Umgebung zu konzentrieren. Klingt toll, hm? Ist es aber nicht! Stundenlang herumstehen, und das ohne Musik? Davon kann ich nur schwer abraten.

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Diese Reise lehrte mich viel, und da ich nicht sonderlich tief in die Kulturen eintauchte, liegt der größte Teil auf meiner persönlichen Seite. Ich bin überrascht über all die Geduld, die ich in Wartesituationen aufbringen kann und wie ich die Langsamkeit auf den griechischen Straßen genießen konnte. Überrascht war ich auch über die Offenheit, die ich bei vorerst Fremden an den Tag legte, aber auch empfang. Ich lernte, die kleinen Dinge zu geniessen und nicht alles als selbstverständlich anzunehmen: Ein warmes Bett, eine saubere Toilette mit Spülung, eine warme Mahlzeit und saubere Kleidung. Ich hoffe, ich kann mir diese Einsicht für die fernere Zukunft bewahren.

Die Rainbows in Rumänien brachten mir Gemüse näher und zeigten mir, dass es mir auch mal wurscht sein kann, wenn jemand den Salat mit schmutzigen Händen zubereitet. Überhaupt war es sehr interessant, das Leben streckenweise mit Personen ganz anderer Lebensstile zu teilen. Sei es nun ein britischer Hippie, brasilianische Erasmus-Studenten, französische Straßenkünstler oder gut betuchte, griechische Jugendliche.

Das ich eine der kräftigsten Personen der Welt bin, weiß ich ja schon seit meiner Zeit als Zeitungsjunge in Lüneburg. Trotzdem bin ich stolz, meine dämliche Gewichts-Planerei stunden- und kilometerlang mit Kraft und Ausdauer, vor allem aber mit reinem Willen ausgehalten zu haben. Das Gleiche gilt für meine Abneigung gegenüber kaltem Wasser, die ich spätestens in den Bathras auf Samothraki ablegen konnte. Dort lernte ich auch, meine Campingausrüstung ohne Skepsis einzusetzen.

Einige, die auf diese Art reisen (wollen), tun dies unter dem großen Deckmantel des Ausstiegs aus dem System. Man muss aber einsehen, dass man durch diese Art der Reise von den Menschen abhängig ist, die in diesem System leben und arbeiten. Noch dazu sind es meist die Menschen, die in der Mitte oder am unteren Rand des Systems stehen. Stolz und Arroganz ist daher fehl am Platz, doch Demut und Dankbarkeit nicht. Man darf sich da nichts vormachen und muss sich die Tatsache vor Augen führen, dass man für’s System einen blutsaugenden Parasiten darstellt – wenn auch vielleicht einen sympathischen.

Tja, und das mit meiner Gitarre hat auch nicht so geklappt, sodass ich sie auch gut und gerne zu Hause lassen könnte. Immerhin konnte ich die Gitarrentasche zeitgleich für den Transport von Nahrung und Hundefutter nutzen.

Am wichtigsten ist aber meine Einsicht, dass mir meine Freunde, meine Familie und meine Liebe erst durch die Ferne näherrückten, und dass ich sie in Zukunft wesentlich öfter besuchen möchte, als ich es zuvor zu pflegen tat.

All das macht mich froh und lässt mich mit Freuden an meine Zeit auf der Straße zurückdenken. Trotzdem: Nochmal muss das nicht sein. Deshalb träume ich bereits von einem coolen Van! So werde ich auch fähig sein, all die Hilfsbereitschaft zurückzugeben – wenn auch (wahrscheinlich) nicht direkt an die Personen meiner Reise.

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Also, was wird hier passieren? Ich schau mal, ob ich meine Südosteuropareise bündeln und als einen Teil neben neuen Zukunftsthemen packen kann. In Zukunft wird hier also, so hoffe ich, ordentlich renoviert.

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Kategorien: Vagabund mit Hund (SüdOstEuropaTrampen 2014) | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

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