Und so landet man unter der Brücke… (von Igoumenitsa nach Sofia)

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Auch auf dem Festland sollte ich noch etwas auf die Rückkehr meines Glücks warten. Niemand hatte angehalten, um mich aus der Hafenstadt zu bringen. Dabei hatte ich doch so gehofft, zumindest Ioannina zu erreichen, wo ich noch Kontakt zu einem der griechischen Studenten von Samothraki hatte. Der Verkehr am Highway, der am Tor zum Hafen endet, bestand auch nur aus den Lastwagen und Autos, die von den Fähren aus Italien und Sonstwo kommen. Die letzte und einzige Fähre, auf die ich hoffen konnte, ließ aber noch auf sich warten, und als es soweit war, musste ich einsehen, dass ich diese Nacht wohl hier verbringen musste.

Am Ende war es gar nicht so schlecht. Mal abgesehen von den Ganoven, die ganz in der Nähe am Rand des Highways kampierten, fühlte ich mich recht sicher. Vor allem mit Spoon. Außerdem fand ich die perfekte Brücke: groß, tief und an einer Stelle windgeschützt mit genug Platz für mein Zelt. Außerdem hatte ich noch Instant-Nudeln und ausreichend Petroleum im Kocher: Geil!

Und siehe da, am nächsten Tag war mir das Glück wieder hold. Ich wartete nicht allzu lange, da nahm mich schon ein junger Mann mit nach Ioannina. Ich weiß gar nicht mehr, worüber wir uns unterhielten. Die meiste Zeit hatte er geredet. Vielleicht über Arbeit, oder Geld, oder Musik. Bei Ioannina ließ er mich an einer Auffahrt zum Highway raus, wo ich vielleicht eine Stunde warten musste. Ich genoss die Aussicht und schmiedete den Plan, nicht mehr allzu lange zu warten. Stattdessen wollte ich am frühen Abend ins Zentrum gehen, wo ich mich ja nun schon ein wenig auskannte, um in einem Café meine neue, griechische Bekanntschaft zu kontaktieren. Doch plötzlich packte mich jemand an der Schulter. Hier auf dem Highway?

Bei all den Überlegungen hatte ich gar nicht gemerkt, dass hinter mir ein Auto geparkt hatte! Zum Auto gehörten zwei bulgarische Männer, die einige Monate zusammen in Griechenland arbeiteten, um in Bulgarien über die Runden zu kommen. Die zwei hielten hinter mir, da auf meinem Tramperschild „Bulgaria“ stand. Nach meinem Zeitverlust und meinen Erlebnissen auf Corfu hatte ich keine Motivation mehr, den ganzen Weg in den Süden bis nach Olympia zu reisen. Ich wollte direkt zurück nach Lovech, und am besten so schnell es ging. Deren Erwartungen, ich würde auch bulgarisch sprechen, konnte ich aber nicht erfüllen. Trotzdem nahmen sie mich mit.

Direkt nach Sofia!

Die Stadt in den Wolken

Trotz gegenseitiger Sympathie: So richtig koscher waren mir die zwei nicht. Ich hatte das Gefühl, dass sie irgendetwas im Gepäck hatten, wovon man besser nicht sprechen sollte. Die Grenze sollte ich dann zu Fuß überqueren.

Jetzt hatte ich soviel Zeit eingespart, dass ich ganze drei Tage vor Dada, die einige Tage in Spanien war, Lovech erreichen würde. Deshalb entschloss ich mich mal wieder dazu, per CouchSurfing einige Last Minute-Anfragen zu versenden, um für zwei Nächte ein Obdach zu finden bevor Dada in Sofia landen würde.

Im Gegensatz zur komplizierten Ferienzeit in Griechenland war es recht einfach, einen Host in Sofia zu finden! Oder eher: Eine Gastgeberin! Und diese Gastgeberin hatte Gastfreundlichkeit wirklich groß geschrieben. Als erster Gast in ihrer Couchsurfing-Karriere wollte sie alles richtig machen. So kam ich in den Genuss ihres eigenen Zimmers, während sie im Zimmer ihrer Schwester schlief, bekam ich Frühstück und generell Verpflegung auf’s Haus und wurde kreuz und quer durch Sofia geführt.

Nach dem Stadtrundgang musste meine rotgelockte Gastgeberin ihren offiziell ersten und weit im Voraus eingeplanten Couchsurfing-Gast vom Flughafen abholen, weshalb sie mir vertrauensvoll ihren Wohnungsschlüssel überließ. Als ich dann nach einigen Problemen die Wohnung fand, hatte mich die Tür jedoch so überfordert, dass ich die Hilfe eines Nachbarn in Anspruch nehmen musste. Aha! Man konnte den Türknauf also drehen! Dass es soetwas gibt hatte ich ganz vergessen. Doch das war gut! Denn so saßen wir an diesem Abend zu fünft im Wohnzimmer: Der Nachbar, meine Gastgeberin, wir zwei Couchsurfer und natürlich Spoon, die durch penetrante Liebe den von einem Hundebiss traumatisierten Nachbarn doch tatsächlich dazu bringen konnte, sie zu tätscheln. Mann, war ich stolz!

Am letzten Tag in Sofia hatte ich die Chance, Alex, meine Gastgeberin aus Lausanne, wiederzutreffen, die in den Semesterferien ihre zutiefst herbeigesehnte Fahrradtour nach Istanbul gestartet hatte und sich momentan mit ihrem englischen Begleiter in Sofia aufhielt. So trafen wir uns zu sechst in einem Kaffee: Alex plus Englänger und Freundin, die Alex in Sofia besuchte, meine Gastgeberin, ich und Spoon!

Später verließ ich die Gruppe, um Dada überraschend vom Flughafen abzuholen, denn von meiner so ungeplant frühen Ankunft in Sofia wusste sie nichts. Ich war ganz schön aufgeregt, und als ich sie dann endlich wieder in meinen Armen halten durfte, war ich überglücklich!

Nach all der Gastfreundlichkeit meiner Gastgeberin war es nicht überraschend, dass auch Dada diese Nacht bei ihr übernachten durfte. So konnten wir uns am nächsten Morgen mehr oder weniger ausgeruht auf den „Heimweg“ nach Lovech machen, wo ich Dada in ihrem Projekt unterstützen und meine Reise durch Süd- und Osteuropa vorerst ihr Ende nehmen sollte.

(Das ist nicht das Ende dieses Blogs! 🙂 )

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Kategorien: Vagabund mit Hund (SüdOstEuropaTrampen 2014), Vagabund mit Hund (StädteFotografie) | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

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