Flugblätter über Margitsziget – Die Suche nach Spoon

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Meine brasilianischen Freunde halfen mir bei der Suche, indem sie das Flugblatt digital über Facebook teilten, und mit Hilfe von Dadas Ideen, ihrer Suche nach sämtlichen Organisationen und Homepages und ihrer Kontaktaufnahme mit jener, registrierte ich Spoon in der TASSO-Database für verloren gegangene Hunde und kontaktierte ebenfalls Organisationen in Budapest per Facebook und e-Mail. Gleich am nächsten Morgen fertigte ich zwanzig Flugblätter in englisch/deutsch an und verteilte sie auf der Brücke zur und auf der Insel. Ich nutzte den Weg auch, um Personen nach Spoon zu fragen. Besonders die arbeitenden Angestellten in Bars und Fahrzeugverleihen. Doch niemand hatte sie gesehen.

Ich ging auch zu einem Veterinär, damit er den Hund in der ungarischen Database registrieren konnte. Als ich zur Wohnung zurück kehrte, traf ich auf den ungarischen Mitbewohner, der mir dabei half, das Flugblatt zu übersetzen. Ich machte mich also nochmal auf den Weg, und verteilte weitere fünfzig Flugblätter auf der Insel und auch in der Umgebung beider Seiten der Donau, Buda und Pest.

Als ich spät abends von meiner Tour zurückkam, öffnete ich eine e-Mail von meiner Mutter. Ich konnte kaum glauben, was ich laß. Eine Organisation hätte sie angerufen, und man hätte Spoon gefunden! Außerdem hatte ich nun auch den Namen und die Telefonnummer des Finders. Leider konnte ich ihn nicht anrufen, da meine SIM-Karte blockiert und Nathalles Karte leer ist. Da ich aber nun wusste, dass eine Organisation involviert war, und ich mir sicher war, dass nur eine große Anlaufstelle für entlaufene Hunde in Frage kommen würde, fasste ich den Plan, eben diese gleich am nächsten Morgen aufzusuchen. Es war schön zu wissen, dass es Spoon gut gehen würde, und sie nicht entführt worden oder in der Donau ertrunken ist.

Die Organisation liegt neun Kilometer entfernt am Rande der Stadt. Mit einem Studentenausweis einer Freundin Nathalles nutzte ich die Straßenbahnen. Es war interessant, Budapest außerhalb des Zentrums zu sehen. Als ich schließlich vor den Sicherheitstoren der Organisation stand, überkam mich Vorfreude. Ich sah eine Frau, die gerade ihren Hund abholte und freute mich riesig für sie, und ich freute mich auch darauf, meinen Hund ebenfalls wieder in die Arme zu schließen.

Es kam aber leider anders als gedacht. Niemand wusste von meinem Hund. Ich bat die Angestellten darum, in anderen Organisationen hier in Budapest telefonisch nachzufragen, aber als Antwort kam nur „Ah, I understand, I understand.“, aber das taten sie nicht. Ich wurde ungeduldig und war enttäuscht. Dann fiel mir die Nummer des Finders in meinem e-Mail-Account ein. Ich erzählte davon und durfte mich einloggen, sodass ein Telefonat zwischen einem Tierarzt und dem Finder zustande kam.

Ich solle um 18:oo Uhr bei seiner Wohnung sein, im XIII. Distrikt der Stadt. Bis dahin waren es noch einige Stunden. Nun, da ich wüsste, dass ich der Person gegenübertreten werde, die meinen Hund gefunden hat, wurde ich innerlich wütend. Diese Person sah Spoon und nahm sie mit. Hätte sie das nicht getan, wäre sie vielleicht zu mir zurück gekommen, wie sie es auch vorher tat!

Ich war reflektiert genug, um zu wissen, dass meine Wut ungerechtfertigt und gemein war. Ich konnte nichts über die Umstände des Fundes wissen, und die Person hatte sich mehrere Tage um meinen Hund gekümmert. Doch ich war zu enttäuscht, meinen Hund nicht schon jetzt wiedergefunden zu haben um logisch zu denken.

Eine Flasche Wein sollte als Dank symbolisch ausreichen. Ich ließ außerdem einen Sticker von mir und Spoon mit der Aufschrift „THANK YOU!“ drucken und klebte es als Label auf die Weinflasche. Mit einer halben Stunde Verspätung kam ich nach einem vier Kilometer langen Fußmarsch im XIII. Distrikt an. Ich stand vor einem Mehrfamilienhaus in einer menschenleeren Straße. Ich trat ein und fand mich in einem Innenhof wieder, umgeben von drei Etagen, in denen die Eingangstüre durch eine Art durchgehenden Balkon zu erreichen waren. Oben standen drei muskelbepackte, tätowierte, glatzköpfige Schränke mit nacktem Oberkörper, und unten saßen zwei ärmlich aussehende, rauchende Frauen an einem kleinen, vergilbten Campingtisch. Ich fühlte mich wie in einem Gangsterfilm, besonders als ich, ausgerüstet mit Flugblatt und Gangster-Bandana, nach dem Namen des Finders fragte.

Doch niemand wisse, wer dieser Kerl sein sollte. Ich klingelte an diversen Türen, da sein Name auf keiner der Klingeln auftauchte – vergebens. Es war also wie in den Mehrfamilienhäusern, in denen ich lebte und niemand Kontakt zu den Nachbarn hatte. Manchmal wusste ich nicht einmal, wie meine unmittelbaren Nachbarn aussahen.
Dann stand plötzlich ein junger Mann vor mir und stellte sich als der von mir Gesuchte vor. Er war zwanzig Jahre alt und sprach nur gebrochenes Englisch. Er kam gerade von einer Tour mit Spoon zurück, welche vor dem Haus angebunden war. Sie kümmerte sich einen Scheiß um mich, als wir uns endlich wiedersahen, und kaute lieber an ihrem Knochen weiter. Ich muss zugeben, dass ich etwas enttäuscht war.

Auch der Finder muss etwas enttäuscht gewesen sein. Ich erwartete eine ältere Person, deshalb der Wein. Und er erwartete, dass ich ihm Zigaretten aus dem Ausland schicken würde. Ich fand heraus, dass er Spoon in der Nähe von Nathalles Wohnung außerhalb der Insel fand. Ihr wurde wohl zu langweilig auf der Insel, und entschloss, nach Hause zu gehen.
Er brachte sie zum Veterinär, welcher ihren Chip und so die Telefonnummer von meiner Mutter fand. Der junge Mann kümmerte sich gut um Spoon, kochte ihr Essen, ging mit ihr hinaus und ließ sie in seiner Wohnung schlafen, während er auf der Arbeit war. Irgendetwas grob handwerkliches, was auch gut zu seiner schmutzigen Kleidung passen würde.
Eine seiner Freundinnen, wenn ich es richtig verstand, kümmerte sich als angehende Hundefriseurin- und kosmetikerin ebenfalls rührend um Spoon.

So ließ Spoon es sich also gut gehen, während wir alle um sie bangten. Ich war sehr erleichtert, und auch die anderen waren froh, sie wiederzusehen.

Kategorien: Vagabund mit Hund (SüdOstEuropaTrampen 2014) | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

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