Budapest II – Brarbequesilia

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Fannes Wohnung ist wohl die kleinste und verwinkelste, in der ich je war. Das hätte sehr interessant werden können, mit ihr und ihren zwei anderen Couchsurfern, schließlich gab es nur zwei Matratzen im Schlafzimmer, die liebevoll auf dem Boden lagen. Und dann gab es noch Spoon, und einen Vogel, der herumschwirrte. Doch es kam wie so oft ganz anders!

Als ich ankam, und meinen großen Rucksack durch die Eingangstür, den kleinen Korridor und die enge Treppe hinauf quetschte, traf ich auf die anderen zwei Couchsurfer. Wir unterhielten uns eine Weile, und ich fand heraus, dass sie noch am selben Tag Budapest verlassen würden. So blieb uns etwa eine halbe Stunde für einen gepflegten Gedankenaustausch. Auch Fanne besuchte die Wohnung in den nächsten Tagen nur selten, meist nachmittags oder abends. So hatte ich die sehr zentrale Wohnung nahezu für mich alleine. Das war recht komfortabel, denn obwohl ich mich ein wenig verlassen fühlte, und auch so durch den tiefen, dunklen Innenhof von der Welt und vom Licht ausgeschlossen war, hatte ich doch genug soziale Kontakte.

Das lag daran, dass Fanne mich kurzerhand, ja sogar schon in der Bestätigung meiner Couchsurfing-Anfrage, zu einem Barbeque einlud, welches am Tag meiner Ankunft stattfand. Ich sagte sehr gerne zu, und so lernte ich kurze Zeit später auch Fannes Freunde kennen, die allesamt, wie auch sie selbst, aus Brasilien kommen um hier in Budapest eine Zeit lang zu studieren. Wir fuhren mit dem Zug zu einem kleinen Vorort Budapests, und wir verloren kaum Zeit um all die Leckereien und den Grill vorzubereiten. Fannes eigentliches Anliegen, die brasilianische Meute für’s Cricketspiel zu interessieren, welches auf dem benachbarten Spielfeld stattfand, war mit wenig Erfolg gekrönt.

Auch für Spoon fiel hier und da etwas herunter, und auch die Cricketspieler waren herzlich eingeladen, nachdem sie ihr Spiel beendeten. Viel war allerdings nicht übrig. Wusstet ihr, dass ein Cricketspiel über mehrere Tage gehen kann?

Am nächsten Tag stand bereits die nächste Einladung an. Nathalle lud zum Essen ein! Vorher ging ich den Tag allerdings lässig an, gammelte den halben Tag im Bett herum, wischte Spoons Kotze vom Boden und spülte das Geschirr ab.

Nathalle kochte drei verschiedene Gerichte mit Reis. Da alle Eingeladenen zur unterschiedlichen Zeit kamen, aßen wir einfach, wann wir wollten. Ich traf viele der gestrigen Personen wieder. In Verbindung zu der Tatsache, dass auch alle irgendwie zu spät und noch später kamen, verbrachten wir die nächsten Stunden in typisch brasilianischer Manier. Entspannt und spontan. Und genauso besuchten wir auch ein Open Air-Konzert, irgendwo im Zentrum.

Obwohl mich am nächsten Morgen der ohrenbetäubende Lärm eines Presslufthammers, nur zwei dünne Glasscheiben und wenige Meter entfernt, belästigte, döste ich bis ein Uhr nachmittags. Fannes Wohnung ist so von der Außenwelt abgeschottet, dass man das Zeitgefühl und sämtliche Motivation, sich um ein wenig Lebendigkeit zu bemühen, verliert. Trotzdem: Irgendwann mache ich mich auf, um entlang der Donau nach Postkarten zu schauen. Ich wollte meinem hamburger Mitbewohner und meiner alten Kindergartengruppe schreiben und so zwei alte Versprechen einlösen.

Schon am Abend ging es dann weiter: Die brasilianische Partie lud zum Tanzen ein. Wir besuchten einen riesigen Club mit vielen verschiedenen Räumen. 90’er, Hip Hop, Trance, Salsa, Karaoke… so bunt wie die Musik war auch das Klientel. Trotzdem: Das Interessanteste an diesem Abend war allerdings die Idee, Nathalles Fahrrad auszuleihen, um  eine Fahrradtour zum und um den Balaton, den Plattensee, zu machen. Sie und ihre Mitbewohner, ein Ungare und eine Polin, würden sich dieser Tage Spoon annehmen. Ich nahm das Angebot sehr gerne an, denn ich baute in den letzten Tagen sehr viel Vertrauen auf, und alle haben zuhause in Brasilien ebenfalls Hunde.

So verlor ich am Folgetag kaum Zeit und packte meine Sachen, um sie zu Nathalle zu bringen. Um am nächsten Tag meine Reise früh zu beginnen, verbrachte ich die kommende Nacht in ihrer Wohnung. Es ist schon fast auf eine seltsame Art wunderbar, mit welch einer Selbstverständlichkeit diese jungen Studenten ihre Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit anbieten.

Auf dem Weg von Fannes zu Nathalles Wohnung:

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