Budapest I – Eine Nacht in Pest, einige in Buda

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Spoon und ich sind in Budapest angekommen. Die Nacht hatte begonnen, aber es war angenehm warm. Budapest fühlte sich vertraut an, und es war irgendwie schön, nach etwa einem Jahr wieder hier zu sein, an einem Ort, der nicht absolut neu ist wie die Orte der vorherigen Wochen meines Abenteuers. Ich erinnerte mich an Rebekka, die deutsche, junge Frau, die ich in Lausanne kennenlernen durfte. Sie bot mir einst an, mich bei ihr und ihrem Freund aufzunehmen, sollte ich bald auch in Budapest ankommen. Nun war ich hier, doch wie sollte ich sie finden?

Ich verließ die Straße des Hotels, vor dem mich Francesco auslud und erkannte schnell vertraute Orte. Als ich an einem großen Platz ankam, an dem sich vor allem junge Männer und Frauen herumtrieben und auf Mauern und Wiesen entspannten, setzte ich mich erstmal hin und genoss den Abend. Ich dachte darüber nach, in einem Hostel nach Internet zu fragen, und so vielleicht Kontakt zu Rebekka aufzubauen. Bis auf ihre e-Mail-Adresse hatte ich aber nichts. Oder hatte sie mir damals doch ihre Nummer gegeben? Ich kontrollierte meine Liste im Handy. Da fiel mir die Nummer von Anne-Marie auf, eine der drei ungarischen Mädels, die damals auch von Alexandra aufgenommen wurden. Ich rief sie an, und sie konnte mir tatsächlich Rebekkas Nummer per SMS schicken. Doch funktionierte mein Plan nicht, denn die Nummer war „out of service“.

Plötzlich sprach mich Csaba an, ein rund 55jähriger Altpunk. Kahlgeschorener Kopf, hinten ein kleiner Zopf, kantiges Gesicht, hellbrauner Pulli mit „Punkers“-Schriftzug im Stile vom Snickerslabel. Er wurde von Spoon angelockt. Ohne sie, erzählte er mir später, hätte er mich gar nicht angesprochen. Er sprach deutsch und erzählte mir von seinen sieben Jahren in Deutschland, und ich erzählte ihm von meiner Reise. Er wollte noch Bier kaufen, bevor er nach Hause geht um zu schlafen, denn er müsse ja morgen wieder früh raus und zur Arbeit gehen. Aber er gab mir noch seine Adresse und Telefonnummer, denn wenn ich nicht weiter wüsste, solle ich mich bei ihm melden. Er bot mir einen Schlafplatz für eine Nacht an, sollte ich Probleme bekommen! Dann verließ er mich. Mit ihm einer seiner Kumpels. Groß, kräftig und ebenfalls kahlköpfig.

Ich wollte sein Angebot noch nicht annehmen, da ich zu zuversichtlich war, Rebekka noch diese Nacht zu finden. Nachdem ich kreuz und quer durch die Straßen ging und seltsamerweise kein Hostel fand, musste ich aber einsehen, dass es diese Nacht wohl nichts mehr werden würde. Trotzdem machte meine kleine, nächtliche Tour Sinn, denn ich konnte eines meiner gut verpackten Sandwiche neben einen in einem Hauseingang schlafenden Obdachlosen legen. Er wird es sicherlich eher brauchen als ich. Ich fragte einen Taxifahrer nach Csabas Straße und stand schließlich vor einer vollgeschmierten, großen Tür, in deren Mitte sich ein faustgroßes Loch befand.

Es war etwa ein Uhr nachts, als Csaba die Tür öffnete. Während sein Kumpel schon auf dem Sofa ratzte, war Csaba noch wach. Er bot mir Essen an, doch ich war immernoch zu voll. Seine kleine Wohnung befindet sich in einem der Innenhöfe des Stadtteils, die er als die Reeperbahn Budapests bezeichnete. Die Zweiraumwohnung, dessen Räume mit einem kleinen Flur verbunden sind, von dem ein klitzekleines Bad und die kleine Küche abgingen, hatte nur ein einziges Fenster nahe der Wohnungstür. Die Wände waren für diese alten Gebäude typisch hoch, sodass in beiden Räumen eine mit Holzgerüsten befestigte Ebene ein weiteres Zimmer ergibt. Dadurch wirkt die kleine Wohnung wie eine sehr verwinkelte und gemütliche Höhle, was mir recht gut gefiel.

Wir unterhielten uns noch ein wenig, und mein Gastgeber zeigte mir einen seltsamen Kartentrick, dessen Sinn(!) ich immernoch nicht begreife. Dann ging ich schlafen, und ich konnte das erste Mal meine Ohrstöpsel benutzen, denn sein Kumpel schnarchte und stöhnte so laut, dass an Schlafen ohne Ohropax nicht zu denken war.

Wir verließen Csabas Höhle gegen sieben Uhr morgens. Er gab mir noch einen guten Tipp zum Geldwechseln, doch die Wechselstube würde erst gegen zehn Uhr aufmachen. So döste ich die Zeit über auf einer Bank. Mit Forint in meiner Tasche konnte ich endlich in eine der Wifi-anbietenden Bars gehen, um meine Suche nach Rebekka fortzusetzen.

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Hilfreich war das Internet aber nicht, aber genießen konnte ich die zwei Stunden in dem Coffeeshop trotzdem. Es stellte sich heraus, dass Anne-Marie einen Zahlenfehler in die Nummer einbaute, den sie auf  erneuter Anfrage entdeckte. Endlich konnte ich Rebekka erreichen, und ich machte mich direkt auf den Weg zu ihrer Wohnung. Sie holte mich von einem großen Platz ab, wo ich rumänische, illegale Straßenverkäufer beobachtete.

In Rebekkas und Marcus‘ Wohnung verbrachte ich die nächsten Tage damit, den Blog zu aktualisieren und verließ die Wohnung nur, um mit Spoon Gassi zu gehen, und um mich feierlich zum Vatertag mit den anderen zu betrinken. Am ersten, gemeinsamen Abend gingen wir ’ne Runde in den nahen Park, und es stellte sich heraus, dass ich mich auch mit Marcus gut verstehe und wir einige Gemeinsamkeiten haben. Er ist Vollblutmusiker und konnte mir ’n paar Kniffe auf der Gitarre zeigen.

Für den Vatertag verließen wir den Kern der Stadt mit einem Bus, um einen Hügel zu erreichen, von dem man einen schönen Blick über die Stadt hat. Spoon ließ ich die ganzen Stunden über frei rumlaufen. Ich habe sie seit Anfang unserer Reise nicht mehr so glücklich und ausgelassen gesehen.

Morgen, am Samstag, werden Marcus und Rebekka ihre eigene Reise starten. Eine Woche wird sie dauern. Da ich aber noch was von der Stadt sehen möchte, entschloss ich mich, über CouchSurfing eine neue Bleibe zu finden – erfolgreich! Morgen früh werde ich also die Wohnung von Fanne aufsuchen, ein junges Mädel, dass momentan noch andere Deutsche bei sich zuhause untergebracht hat.

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Kategorien: Vagabund mit Hund (SüdOstEuropaTrampen 2014), Vagabund mit Hund (StädteFotografie) | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Budapest I – Eine Nacht in Pest, einige in Buda

  1. Wow… solche Totalen wie im Titelbild find ich ziemlich wunderbar!

  2. Trobo

    🙂

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