Unterwegs mit Kum Kum II (Grenzerfahrung, Pula)

Gruppenfoto Sunset

Wir verließen am späten Nachmittag des 21. Mai Trieste, um vor Sonnenuntergang Kroatiens Strände zu erreichen. Kum Kum war ganz versessen darauf, endlich im Meer zu baden. Trotzdem hatte er, wie auch ich, keine Badehose für seine Reise eingepackt. Aber das ist egal, denn heutzutage macht das optisch doch eh kaum einen Unterschied.
Wir waren gut in der Zeit und überschritten die slowenische Grenze ohne auch nur einen Grenzbeamten zu sehen. Paar Minuten später erreichten wir die Grenze nach Kroatien. Hier sah die Lage anders aus, und beinahe hätten wir die Bekanntschaft mit Spürhunden machen müssen.

„Wo wollt ihr hin?“ – „Pula.“ (Hier ein schelmischer Gruß an meine rumänischen Freunde.)
„Wie lange wollt ihr in Kroatien bleiben?“ – „Eine Woche.“
„Fahrzeugpapiere bitte.“ – „Wie bitte?“ – „Die Fahrzeugpapiere.“ – „Achso.“
„Fahren Sie bitte rechts ran.“

Wir fuhren rechts ran. Als der Motor Ruhe fand, erreichte uns ein Polizist. Er bat uns beide heraus und fing einen schier endlosen Vortrag über das üble (wirklich üble) Schicksal von Drogenschmugglern an, über sein Verständnis von kleinen Mengen als Eigenbedarf („It’s okay, maybe you have a hard job. It’s not my business.“) und über die Kontaktlosigkeit hinter Gittern.
Ob wir auch wirklich nichts hätten, und eintausend Prozent sicher wären, wollte er wissen. Mit seinen düsteren Beschreibungen und seiner Fragerei und Wiederholung machte er mich schließlich unsicher, ob ich nicht doch irgendwo Drogen untergeschmuggelt bekommen hätte, oder vielleicht gar ein ruchloser Junkie wäre.

Schließlich kam er zum Prozedere. Es würde ein Drogentest folgen. Sei er positiv, kämen die Hunde. Seien diese fündig, gehe es für mindestens drei Monate hinter Gittern, und „unsere Verwandtschaft würde lange von nichts wissen.“ Kum Kum musste ihm folgen – allein. Ich wartete mit Spoon.

Nach wenigen Minuten kam mein Van-Gastgeber zurück, breit grinsend und alleine. Wir dürfen fahren, und achso, hier dein Reisepass! Scheinbar war das polizeiliche Referat gleichzeitig ein Charaktertest, untermauert von einundzwanzig Jahren Berufserfahrung.

Endlich waren wir in Kroatien, und das Rennen gegen die Sonne konnte weitergehen. Wir erreichten Pula, konnten aber keinen Zugang zur Küste, geschweige denn einen Strand finden. So entschieden wir uns, ein Stückchen weiter außerhalb zu suchen und wurden schließlich fündig. Wir parkten auf einem Parkplatz, und während Kum Kum kochte (ja, soviel Zeit muss sein), erkundete ich den Weg zum Strand. Meine Nase führte mich schließlich zu einem für mich als Nordlicht exotischen, weißen Strand. Es war jedoch kein Sand, der mich bei hellerem Licht sicherlich geblendet hätte, sondern Stein!

Und als die Sonne die letzten zehn Minuten am Horizont stand, nahmen wir endlich ein Bad im glasklaren Wasser des Mittelmeeres. Kum Kum nutzte dabei seine kleine Taucherbrille und seinen wasserfesten MP3-Player. Mir war das Wasser aber doch noch zu kalt, weshalb ich mich mit ’ner kleinen Runde zufrieden gab. Wird Zeit, dass ich etwas abgehärteter werde.

Um den nächsten Tag ebenso frisch zu beginnen, wie wir den letzten beendeten, suchten wir wieder einen Strand auf. Dieses Mal aber einen anderen, welcher zu einer Art Naturschutzgebiet gehört, welchen wir aufsuchen wollten bevor wir uns nach Rijeka begeben. Wieder glasklares, blaues Wasser und glatt geschliffener, weißer Stein. Dreimal warnte mich mein französischer Freund, ich solle auf die Seeigel aufpassen. Trotzdem war er es, der sich schließlich die fiesen Stacheln der Tierchen in die Fußsohle stampfte. Mit meiner Pinzette kam er leider nicht weit, und mit der Schere meines Multifunktionstools wollte er sie sich nach kurzem Zögern auch nicht rausschneiden.

Um eine bessere Lösung zu finden, suchten wir ein günstiges Restaurant im angrenzenden Ort auf, in dem es WiFi gab. So konnte ich nach Tagen endlich wieder ins Internet, mit deftiger Beilage! Die Lösung für sein Stachelproblem war, nichts zu tun.

Kategorien: Vagabund mit Hund (SüdOstEuropaTrampen 2014), Vagabund mit Hund (StädteFotografie) | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

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