Milano I – Der Grand Canyon Italiens

DSC_4342 (Copy)

Gut, der Vergleich dieser Stadt mit dem Grand Canyon ist vielleicht etwas weit hergeholt, und war auch für Ambhika, meiner thailändischen Gastgeberin und super Köchin nicht gleich ersichtlich, doch sieht für mich Mailand durch die ewig gleich tiefen und geraden Häuserschluchten überall identisch und auf Dauer etwas öde aus. Die Atmosphäre ist, besonders in Verbindung mit dem warmen Wetter, aber sehr entspannt. Doch vielleicht bin ich es auch nur, der dem Stadtleben durch die Annehmlichkeiten, die mir mein Zusammenleben mit Ambhika bietet, entspannter gegenübertritt.

Es sei denn, die Ambulanz fährt vorbei. Habt ihr schon die Sirene der italienischen Ambulanz gehört? Ein schriller, quäkender, nicht ernstzunehmender, gar alberner Klang, der vor dem Vorbeifahren viel zu früh und nach dem Vorbeifahren viel zu lange zu hören ist.

Ich kam am Montag, spät abends, in Milano an, wo mich mein Couchsurfing-Host bereits erwartete. Ich fand sie am gleichen Nachmittag online, und hatte echt Schwein, dass sie so früh und rechtzeitig antwortete, bevor ich mich an’s Trampen machte. „Today is your lucky day!“, begann ihre Antwort auf meine Anfrage. Nach kurzem Fußmarsch erreichte ich ihre Straße am westlichen Stadtrand. Wir verstanden uns auf Anhieb gut. Sie kochte, ich kaufte Hundefutter im nahen Supermarkt, und wir ließen unseren ersten Abend mit Musik, Unterhaltungen und viel Lachen ausklingen. Und das sollte bis heute so weitergeführt werden. Wir verstehen uns so gut, dass ich gerne noch eine weitere Nacht, also bis Freitag, bleiben dürfe.

Für den nächsten Tag, Dienstag, verabredeten wir uns am Abend in der Art Factory, ein Restaurant in dem jeden Dienstag ein Couchsurfer-Treffen stattfindet. Man bestellt ein Getränk, zahlt acht Euro und darf sich dann endlos beim Buffet bedienen.  Komisch, in Hamburg suchte ich auch bereits nach solchen Treffen, fand aber nie etwas, das mir zusagte, sei es wegen dem Angebot an sich, oder wegen Komplikationen aufgrund meiner Arbeitszeiten. Dass ich mein erstes Couchsurfer-Treffen in Milano besuchen würde, hatte ich bis dato nie gedacht.

Ich nutzte den Tag, wie für meine Zeit in Milano geplant, um diesen Blog zu aktualisieren. Das war okay, denn an diesem Tag stürmte und donnerte es auf die Stadt herab. Pünktlich zum Ende meiner Schreibarbeit hörte es auf, sodass ich den zweieinhalbstündigen Fußweg zur Art Factory trocken überstand. Wegen dem grauen Wetter und der guten Aussicht für morgen, ließ ich die Kamera daheim. Eine Stunde zu spät kam ich an, obwohl Spoon mittlerweile wieder gut laufen kann. Das Buffet wurde jedoch immer und immer wieder mit neuen Leckereien aufgefüllt. So stopfte ich meinen Wanst mit drei oder vier mit Pizzagebäcken, Fritiertem, verschiedensten Nudelgerichten, Aufschnitten, Gemüse und Oliven prall gefüllten Tellern voll. Es sollte sich schließlich lohnen.

Das Treffen mit den anderen Couchsurfern war ganz nett, aber nach bestätigter Anfrage, ob denn jedesmal die „Woher kommst du, wo gehst du hin, was machst du?“-Fragen gestellt werden, müsste ich das nicht immer haben – wäre da nicht das leckere, bezahlbare Essen.

Da die Toilette auf der Arbeit derzeit nicht funktioniert, hat sich Ambhika kurzerhand einen freien Tag gegönnt. So konnten wir am Mittwoch gemütlich durch die Stadt wandern, um Fotos zu machen und auch Orte aufzusuchen, die sie selbst nicht kannte. Wie zum Beispiel den zentralen Friedhof.  So einen Friedhof hatte ich wahrlich noch nicht gesehen. Hunderte von Statuen, Wände voll Urnengräbern und touristische Führungen, sofern ich die Menschengruppe richtig einsortiert habe. Hunde seien nicht erlaubt, sagte uns der Wärter, während er seine Kippe achtlos zu den anderen am Boden warf. Innerlich versuchte sich Wut gegenüber dieser symbolischen Unlogik aufzubauen, die ich aber trotz Wille nicht ausbauen konnte. So blieb es bei stiller Verachtung.

In Milano gibt es ein Chinatown, wo wir uns einen Teller Nudeln und ein Eis gönnten, bevor es durch den Park mit der Burg zurück nach Hause ging, wo wir bis drei oder vier Uhr morgens miteinander lachten und interessante und kreative Gespräche führten. Bis jetzt hatte ich schon soviel Geld ausgegeben wie in einer Woche Lausanne.

Jetzt haben wir Donnerstag, und ich schreibe diesen Satz. Den ganzen Tag aktualisiere ich den Blog. Gleich kommt Ambhika von der Arbeit zurück. Der Abwasch ist erledigt. Ich muss auch noch schauen, wie ich morgen am besten die Stadt verlassen kann. Und vor allem: In welche Richtung? Osten oder Süden?

 

Werbeanzeigen
Kategorien: Vagabund mit Hund (SüdOstEuropaTrampen 2014), Vagabund mit Hund (StädteFotografie) | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Beitragsnavigation

2 Gedanken zu „Milano I – Der Grand Canyon Italiens

  1. pippilottahabenix

    tolle eindrücke hast du das festgehalten!
    grüße aus hamburg

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: